Eine lustige Bustour nach Wai-O-Tapu

Endlich bin ich beim Ausflug nach Wai-O-Tapu angekommen. Dies war, wie der ein oder andere schon weiß, mein absolutes Negativ-Highlight in Hinblick auf Kiwis und Freundlichkeit. Im Prinzip kann ich nur immer noch den Kopf über diesen Busfahrer schütteln… Aber fangen wir einmal von vorne an.

Ich hatte also entgegen meiner Gewohnheiten eine Bustour gebucht. Zum einen hat sie nur unwesentlich mehr Geld gekostet, als der Einritt allein. Ich dachte mir also, dass ich mir mal ein paar wenige Dollars Tankgeld spare. Zum anderen könnte ich dann vielleicht mal ein paar andere Menschen kennen lernen, da ich sonst ja immer alles alleine gemacht habe. Und nicht zuletzt musste ich so zu einer bestimmten Uhrzeit starten und konnte nicht wieder den halben Morgen vertrödeln. Also drei eindeutig gute Gründe. Oder eben auch nicht.

Ich machte mich also direkt morgens fertig, brachte Reegan zur Tagesmutter – und durfte gleich wieder zurück zum Haus fahren. Reegan hatte aus irgendeinem Grund keine Schuhe an und niemand hat es mitbekommen. Bis wir dann bei Carryn ankamen. Peinlich.

Nachdem ich die Schuhe dem Kind nachgeliefert hatte, machte ich mich diesmal wirklich auf in die Stadt. Ich parkte diesmal an einem großen Einkaufscenter (maximale Parkdauer von 3 Stunden würde ich überschreiten, fiel aber zum Glück niemandem auf) und wanderte von dort aus zum Info-Center, wo die Tour startete. Da stand ein kleiner Bus – ich glich nochmal den Namen des Unternehmens mit meiner Buchungsbestätigung ab, sah jemanden hineingehen und nach kurzem Zögern trat dann auch ich in den Bus. Von einem Mann wurde ich freundlich begrüßt, der Busfahrer telefonierte munter vor sich hin und ignorierte mich… Etwas planlos setzte ich mich dann also irgendwann. Und dann begann der unermüdliche Groll zwischen dem Fahrer und mir.

Er war also irgendwann fertig mit telefonieren. Sonnenbrille tragend fragte er munter in den Raum „How are you?“ und setzte dann irgendwas von wegen Ticket hinterher. Ich habe mich natürlich nicht persönlich angesprochen gefühlt. Und das war ein Fehler. Kurz darauf fragte er unwirsch von wegen „Junge Dame die hier gerade eingestiegen ist“ und erst da hab ich gecheckt, dass er nicht mit dem gesamten Bus redet sondern mit mir. Ich also „Ähh ja klar hab ich ein Ticket“, gehe vor und halte ihm für eine Hundertstelsekunde mein Telefon vor die Nase – sagt er ok. Frag ich ob er sonst noch was braucht (meinen Namen oder eine Buchungsnummer konnte er in der kurzen Zeit sicher nicht erkannt haben) meint er nö. Ich also weiterhin völlig irritiert, setze mich wieder auf meinen Platz.

Bevor es los ging konnte ich noch ein paar andere Menschen beobachten, die von ihm ähnlich „freundlich“ begrüßt wurden. Die meisten wurden nun allerdings draußen schon freundlich mit „Ticket“ – mehr auch nicht – begrüßt und einige sahen ähnlich irritiert aus wie ich. 5 Minuten vor der offiziellen Zeit fuhren wir dann los – eilig hatte er es also auch noch. Immerhin, nach ein paar Minuten fahrt bequemte er sich dann doch noch, mal alle zu begrüßen und gab dann tatsächlich sogar noch ein paar interessante Infos zu Rotorua und zur Strecke. Seine Sonnenbrille nahm er übrigens die ganze Zeit über nicht ab.

Unser erster planmäßiger Halt war eine Matschgrube, an der wir ungewöhnlich viel Zeit hatten – da man außer einmal anschauen dort nichts machen konnte. Weiter ging es zum Geysir, der täglich einmal ausbrach. Allerdings nicht, wie ich zunächst dachte, auf natürlichem Weg. Nein, dort wird etwas Seife hinein gefüllt und dann geht’s ab. Entdeckt wurde dieses Phänomen angeblich von einer Kolonie Sträflinge, die ihre Wäsche im Geysir waschen wollten und nach wenigen Minuten dann ein ernsthaftes Geysir-Problem hatten.

Nachdem die Seife in die Öffnung gesteckt wurde, konnte man nach einer kurzen Zeit des Nichtssehens sehen, wie die Seife langsam hoch kam, übersprudelte und dann plötzlich Schoss das Ding in die Höhe. Coole Sache. Der Geysir würde übrigens auch ohne Seife auf natürlichem Wege ausbrechen, allerdings in unregelmäßigem Abstand von bis zu 72 Stunden. Das ganze ist also doch nicht ganz so künstlich wie es nun schien, aber so kann man natürlich besser Touristen anlocken. 🙂

Da unser netter Busfahrer uns für den Geysir nicht so viel Zeit gegeben hatte, bin ich direkt nach dem ersten Ausbruch aufgestanden (wie die meisten, tolle Touren…) obwohl ich gerne noch etwas länger geblieben wäre. Ich war mir allerdings nicht sicher, ob der nette Herr warten würde, wenn man sich verspätete. Wieder am Bus stieg ich wieder nach jemand anderem ein und setzte mich. Der vor mir eingestiegene kam gerade vom Busfahrer zurück, der munter „Where are you from“ plapperte. Ich dachte also wieder mal, er meint die Person, die gerade bei ihm vorne war. Nein, er meinte mich, wie er mir dann mitteilte – Sonnenbrille noch immer auf. Und dann der Knaller: Ich würde mich wohl gerne hineinschleichen. Da ist mir dann die Hutschnur geplatzt und ich hab ihm gesagt dass es doch ganz schön unhöflich ist, mit Sonnenbrille zufällig in den Raum zu sprechen und zu erwarten dass man weiß, mit wem er redet. Er laberte darauf nur was von wegen „Sonnenbrille sei common sense“ und ich hab dann auch nicht weiter diskutiert. Arroganter Mistkerl. Immerhin: Mein Ticket für den Parkeintritt habe ich dann noch von ihm erhalten. Und als wir dort endlich ankamen, war ich den Typen auch erstmal los. Endlich.

Die Wanderung selbst fühlte sich diesmal sehr unter Druck an, da ich ja zum Zeitpunkt X wieder am Bus sein müsste (ich war mir sicher, dass DIESER Typ nicht warten würde). Ich habe mir trotzdem so viel Zeit wie möglich genommen und die lange Tour gemacht und wieder mal viele Menschen an mir vorbeihekten sehen. Wieder mal fragte ich mich, warum immer so eine Hektik herrscht statt dass man die Natur einfach mal genießt. Da bezahlt man so viel Eintritt und rennt dann einfach nur kopflos durch? Was hat man denn davon? Ich merke mir: Lieber weniger machen und das in Ruhe als tausend Sachen nur halb.

Was es im Park zu sehen gab, schaut ihr euch einfach auf den Fotos an. Viel Ungewöhnliches gab es für mich nicht mehr zu sehen, das meiste war doch irgendwie schon mal da. Lediglich der riesig große See mit rot dampfenden Wolken (manchmal so stark, dass man keine zwei Meter weit mehr schauen konnte) und der giftig grüne kleine See am Ende waren ein besonderes Highlight dieser Tour. Meine Wanderung beendete ich mit einem kleinen Bummel durch den Shop, in dem ich diesmal eine kleine Kiwi-Kette kaufte. Bei einem Preis von 5€ wäre ich nicht zu traurig, wenn sie schnell kaputt geht – aber bisher hält sie tapfer trotz täglichem Tragens. 🙂

Ich war also pünktlich wieder am Bus und gesellte mich zu den anderen wartenden Personen vorm Bus. Der Fahrer saß im Bus. Mit Sonnenbrille. Alle anderen warteten vor dem Bus. Der Fahrer saß immer noch im Bus und hupte nun ungeduldig dass wir doch endlich einsteigen sollten. Was war dem wohl nur für ne Laus über die Leber gelaufen?

Auf dem Rückweg kamen wir noch an heißen Quellen vorbei in denen man hätte baden können, hätte man keine Tour gebucht. Meine Erwartungen an den Tag wurden also nicht erfüllt. Weder war es nett noch habe ich irgendwen kennen gelernt. Ich war genauso allein unterwegs wie sonst auch. Die Tour war zwar etwas informativ aber auch nur etwas und der Fahrer ein allgemeines Ärgernis. Der einzige Vorteil war, dass ich nun mal ein paar Fotos von der Landschaft beim Fahren machen konnte. Das war dann aber auch alles. Als die Tour vorbei war und ich ausstieg, sagte ich weder Danke noch wünschte ich ihm einen guten Tag. Das beruhte dann auch auf Gegenseitigkeit.

Erfreulich war dann allerdings, dass mein Auto noch ohne Strafzettel dort stand, wo ich es abgestellt hatte. Mit dem ging es nun nach Hause. Erstmal von diesem Unfreundlichkeits-Schock erholen und entspannen hieß es nun! Und noch etwas war erfreulich: Dieses Beispiel an Unfreundlichkeit hat sich so nicht mehr wiederholt. Die Menschen sind hier eigentlich total nett und herzlich, wahrscheinlich ist mir das Verhalten nur deswegen so besonders negativ aufgefallen.

 

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